Wie kann man Momentum-Strategien implementieren?

Obwohl in der Literatur einfache Verfahren angegeben sind, bedarf es einiger Expertise, diese Strategien zu implementieren. Zentrale Fragen sind:

  • Welche Märkte sollen adressiert werden?
  • Wie viele Aktien sollen in das Ziel-Portfolio aufgenommen werden?
  • Wann soll umgeschichtet werden und wie verhält sich es mit den Transaktionskosten?
  • Welche Zeithistorie / welche Skala / welches Verfahren setzt man an, um ein Momentum von Aktien zu bestimmen?

Insbesondere die letzte Frage ist von entscheidender Bedeutung, da sich Märkte im Verlaufe der Zeit (teilweise sogar sehr stark) ändern können. Das dies so ist, kann man leicht in der Sektion Mandelbrot und Momentum visuell überprüfen.  Hinsichtlich der Schwankungen im Markt (dort über alle möglichen Trend-Granularitäten dargestellt) ist seit 1987 ein veränderter Markt zu beobachten.

Ein statisches Verfahren kann diesen Änderungen kaum Rechnung tragen und so ist es folgerichtig, dass diese unflexiblen Verfahren lange Phasen von Unter-Perfomance aufweisen. Hinzu kommen noch Krisenphasen – wie z.B. die Häuserkrise 2008 in den USA / weltweite Finanzkrise 2009 – in denen Momentum-Strategien sogenannte „Momentum-Crashes“ aufweisen und nach Literaturlage die falsche Strategie sind.

Ohne intensive Computersimulation in verschiedenen Marktphasen kommt ein weiterer psychologischer  Effekt hinzu: Da man sich nicht sicher sein kann, ob die richtige Parametrisierung gewählt wurde, wird länger anhaltende Unterperformance oft als „die Strategie funktioniert nicht“ interpretiert und aufgegeben.

Aber selbst wenn dies alles gegeben ist, warten weitere Fallstricke. Wie wir einfach zeigen können, kann z.B. für den DAX Performance-Index mit klassischen Methoden wie Performance-Messung oder aber auch mit den populären gleitenden Mittelwerten kein dynamisches („long-only“) Verfahren angegeben werden, welches z.B. zwischen 2010 und 2014 eine strukturelle Überperformance erzeugt. Man darf mit Recht vermuten, dass dies daran liegt, dass Trends nicht präzise von diesen Verfahren erfasst werden.

Momentum Strategien

Momentum-Strategien verwenden üblicherweise nur einen Bruchteil der am Markt verfügbaren Aktien. Daraus folgt sofort, dass die Volatilität strukturell leicht erhöht ist, weil weniger diversifiziert wird. Nun könnte man schnell folgern, dass dieses ein erhöhtes Risiko bedeutet. Wie wir gezeigt haben, ist das eindeutig nicht der Fall. Zum einen ist der maximale „Drawdown“ geringer als bei einem Markt-Investment des Indexes (siehe auch die Schlussfolgerung in Mandelbrot und Momentum, dass passive Investments doppelt riskant sind) zum anderen wird die Volatilität durch die Überrendite „überkompensiert“. Wenn Risiko bedeutet, über einen längeren Zeitraum einen Verlust zu erleiden (Ausfallrisiko), dann kann es sogar so sein, dass stark diversifizierte Portfolios (mit geringer Renditeerwartung) einen erheblichen Nachteil gegenüber gering diversifizierten Portfolios (mit hoher Renditeerwartung) haben.

Value und Momentum zur Diversifikation

Es sei am Rande erwähnt, dass Diversifikation natürlich das erste Maß der Dinge ist. Aber es ist auch bekannt, dass z.B. Diversifikation über Asset-Klassen genau dann schlecht funktioniert, wenn es am meisten gebraucht wird: In Krisenphasen (in der Literatur wird dies „Correlation Breakdown“ genannt). Wie Asness et al. gezeigt haben, ist eine Diversifikation über Strategien wesentlich sinnvoller. In ihren Arbeiten geben sie eine erhebliche Antikorrelation (von -40% bis zu -70%) einer Value-Strategie gegenüber einer Momentum-Strategie an.

Marktneutralität

Wenn man auf Hauptindizes (z.B. DAX Performance-Index) eine Momentum-Strategie implementieren kann, dann lässt sich die Überrendite potenziell „extrahieren“. Hierzu verkauft man in gleicher Höhe Futures auf den Index (z.B. Futures auf den DAX Performance-Index). Das Ergebnis ist ein markneutrales Verfahren (kein Beta, reines Alpha), welches dann positive Rendite generiert, wenn die Momentum-Strategie Überrenditen zum Markt erzielt. Man kann zeigen, dass diese Strategie geringe Volatilität hat und auch geringe maximale „Drawdowns“. Weiter ist diese nicht zum Markt korreliert (sogar leicht negativ) und bildet auch aufgrund des gleichzeitigen neutralen Charakters zum Rentenmarkt so etwas wie eine eigene Asset-Klasse.

Disclaimer / Ausschluss

Diese Informationen stellen keinen Beitrag zu einer Anlageberatung dar. Aus gesetzlichen Gründen dürfen wir keine Rendite-Angaben machen. Bitte lesen Sie unbedingt unseren Haftungsausschluss.

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Literatur

  • Asness, C.S., Moskowitz, T.J. and Pedersen, L., Value and momentum everywhere. J. Finance, 2013, 68(3), 929–985.
  • Berghorn, Wilhelm, Trend Momentum, Quantitative Finance, Volume 15, Issue 2, 2015, 261-284 http://dx.doi.org/10.1080/14697688.2014.941912
  • Daniel, K.D., Momentum crashes. Columbia Business School Research, Paper No. 11-03, 2011.