Marktsituation vom 5.10.2015 bis zum 7.10.2015

Nach der starken Aufschwungperiode des DAX im ersten Quartal kam es zu einem starken Abschwung in Q2 sowie Q3 2015. Dieser Abschwung war im Wesentlichen durch die Situation in Griechenland sowie durch den Börsencrash in China und die damit zusammenhängenden Konjunktursorgen geprägt. Zu diesen Sorgen gesellte sich Ende Q2 der Abgaskandal von VW. Aber auch die Versorger E.ON sowie RWE kamen zwischenzeitlich aufgrund des Atomausstiegs erheblich unter Druck. Die Verluste im Abwärtstrend (auf Basis unserer Trendzerlegung) lagen bei E.ON bei -53,42% in 322 Börsen-Tagen sowie bei RWE bei -71,96% (ebenfalls 322 Börsen-Tage). Im Vergleich hierzu hat VW auf Basis derselben Trendzerlegung in 144 Tagen -63,81% verloren.

Am 5.10.2015 kam es bei dem Fonds Mandelbrot Market Neutral Germany zu einem Verlust von über -2,5%. Auslöser war in einem stark zulegenden Gesamtmarkt (DAX +2,74%) die Nachricht von Potash, dass die Übernahme von K+S nicht weiterverfolgt werde. K+S war zu diesem Zeitpunkt die Aktie mit dem stärksten Momentum im Aktienportfolio des Fonds und verlor an diesem Tag allein -25%. Durch die Konzentration des Portfolios auf 15 Titel und der speziellen Gewichtung trägt dieses Ereignis  zu einer signifikant negativen Portfoliorendite bei, wenn man allein bei allen anderen Aktien eine 0% Rendite unterstellt. Gepaart war dieser Effekt aber auch mit einer weiteren Unterperformance der Momentum-Aktien in einem steigenden Gesamtmarkt. Der daraus resultierende Verlust im Fonds von über -2,5% kann nun insgesamt durchaus als Ausnahme-Ereigniss aufgefasst werden.

Allerdings zeigt  das „Backtesting“ des Fonds, dass solche Ergebnisse von -2% und weniger  (wie am 5.10) in der Periode 2004-2015 (10 Jahre) insgesamt 23 mal vorkommen (Ergebnisse über +2% 25 mal). Es gibt also eine gewisse Wahrscheinlichkeit (auch wenn sehr gering), dass vergleichbare Ausnahme-Ereignisse auch in dieser marktneutralen Variante eintreten.

Hängt diese Rendite nun mit der speziellen Strategie im Fonds zusammen?

Hierzu gibt es zwei wesentliche Komponenten, die zu berücksichtigen sind. Die Strategie setzt ein Aktienportfolio mit positiven Trends (oder Momentum) ein. Legt man die Zeitreihen der Aktien des heutigen DAX-Universums zugrunde und berechnet, wie häufig positive Schocks (positive Rendite > 10%)  in Aufwärtstrends (definiert über unsere Trendzerlegung) in den Jahren 2005-2014 (10 Jahre) vorgekommen sind, dann gibt es 77 solcher Vorkommnisse. Demgegenüber stehen 53 Ausnahme-Verluste (-10% und höher) in derselben Periode.

Dieses Szenario verhält sich allerdings nicht ganz symmetrisch zu Abwärtstrends. Führen wir dasselbe Experiment durch und betrachten Abwärtstrends, dann kommt eine positive Renditenüberraschung (> 10%) 214 mal vor, während eine negative Überraschung (<-10%) 148 gezählt werden kann. Das Verhältnis aus negativen zu positiven Schocks ist also in Auf- und Abwärtstrends etwa gleich groß, allerdings kommen solche Schocks in Abwärtstrends fast 3x so häufig vor.

Diese Asymmetrie zeigt zum einen, dass vereinfachende Annahmen über Verteilungen der Renditen fehlleiten, zum anderen, dass klassische Momentum-Strategien, die über Aktien Long- und Short-Positionen umgesetzt werden (also nicht wie im Fonds mit einem DAX Future Short), immer noch erheblich härteren Momentum-Crashes unterliegen. Insbesondere zeigt sich dies in den Anschluss-Tagen 6.10 sowie 7.10, an denen auch der Fonds weiter Rendite abgeben musste.  In einer kurzen anschließenden Erholungsphase zu den oben skizzierten Abwärtstrends legte VW um 12% zu, RWE um 25,27% und E.ON um 24,27%. In einer klassischen Momentum-Strategie (1 Jahres-Performance) wären dies die 3 ersten Short-Positionen gewesen.

Solche Phasen sind erwartungskonform,  da insbesondere Value- und Momentum-Strategien nach Literaturlage mit -60% nicht korreliert sind. Wenn man so will, hat sich hier eine Unterbewertung (oder negative Übertreibung) während dieser Tage bei diesen Aktien in Ansätzen gelöst.

Fazit: Die Situation um K+S ist ein seltenes Ereignis, das vorkommen kann. Die Erholungsphasen von stark gefallenen Unternehmen sind ebenso erwartungskonform, so dass der Kursverlauf insgesamt der Charakteristik der Strategie entspricht.

WB-2015-10-09